26.01.2016
Ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland liefert die Neutex. Mit der Hoftex Group im Rücken sind die Zukunftsaussichten der vollstufigen Weberei sehr gut. Fertigdekos, Konfektionsservice und verstärkte Auslandsaktivitäten sollen für Wachstum sorgen.
Kreative Dekostoffe, modische Konfektionsware, textile
Sonnenschutzlösungen und technische Gewebe – das Sortiment der Neutex
ist breit, aber nicht ungewöhnlich. Was die Weberei zu etwas Besonderem
macht, ist die vollstufige Produktion der Traditionsweberei. Vom eigenen
Atelier über Färberei und Ausrüstung bis zur Weberei sind alle
Abteilungen am Standort Münchberg zusammengefasst. Von der
Produktentwicklung bis zum fertigen Stoff liegt alles in einer Hand. Das
erleichtert die Qualitätssicherung und Sonderwünsche der Kunden können
leicht erfüllt werden. Herausforderungen meistert man
abteilungsübergreifend und die Nähe zur Produktion sorgt für
zusätzliches Tempo.
„Das ist unsere Stärke“, betont Jochen Rieger. Der Vorsitzende der
Geschäftsführung leitet das Unternehmen gemeinsam mit dem zweiten
Geschäftsführer Ulrich Venhoff. Zum Führungsteam gehören außerdem
Vertriebsleiter Alexander Kössl und Export leiter Joseph Wheeler. Zwei
festangestellte Außendienstler sowie acht Handelsvertreter bereisen den
deutschen Markt. Zum Vertriebsinnendienst gehören elf Mitarbeiter, im
Atelier sind sieben beschäftigt. „Wir arbeiten ausschließlich mit
eigenen Designern“, hebt Rieger hervor.
In Zentrale und Produktion in Münchberg sind rund 180 Personen
beschäftigt. Alle Stoffe, die die Neutex verkauft, werden hier gewebt.
Die Tagesproduktion der mehr als 100 modernen, meist doppeltbreiten
Webmaschinen beläuft sich auf bis zu 25.000 m2. Dreiviertel der
Webstühle sind Jacquardmaschinen, Greifer- und Luftmaschinen für schmale
und raumhohe Ware. Beim restlichen Viertel handelt es sich um
Schaftstühle.
Lagerhaltige Produkte in 24 Stunden beim Kunden
Daneben verfügt das Unternehmen über eine eigene Garn- und
Stückfärberei mit modernen und umweltschonenden Färbe- und
Ausrüstungsmaschinen. Sonderfarben sind bei verschiedenen Artikeln auf
Anfrage möglich. Die Mindestbestellmenge liegt bei 120 bis 240 m pro
Farbe. Diverse Spezialmaschinen (Crash, Scherli etc.) bis hin zu zwei
Transferdruckstraßen komplettieren den Maschinenpark. „Wir denken auch
über Digitaldruck nach“, sagt Jochen Rieger bei der Werksbesichtigung.
Für die Erfüllung des eigenen Qualitätsanspruchs sorgen die eingebundene
Warenschau und Endkontrolle. Das Lager befindet sich ebenfalls in
Münchberg. Bei Lagerpositionen beträgt die Lieferzeit nur 24 Stunden.
Aufträge, die vormittags eingehen, sind in der Regel am gleichen Tag
bereits auf dem Weg zum Kunden. Müssen die Produkte erst gewebt werden,
dauert es bis zu drei Wochen. „So lange brauchen wir normalerweise für
einen sauberen Ablauf“, erklärt Ulrich Venhoff. „Aber wenn es schnell
gehen muss, schaffen wir das in Ausnahmefällen auch in einer Woche.“
Sonderbestellungen dauern durchschnittlich acht Wochen.
Auch für die Zukunft bekennen sich Rieger und Venhoff klar zum
Produktionsstandort Deutschland, genauer gesagt zur Textilregion
Oberfranken: „Das textile Know how hier und das große Potential an
Fachkräften mit Webern, Färbern, Mitarbeitern in der Ausrüstung oder
Warenschau sind für uns unverzichtbar.“ Daher werden in Münchberg
jährlich bis zu siebenstellige Summen investiert, etwa in ein neues
Schärgatter oder einen Abgaswäscher, der die Luftemissionen reduziert.
„Das machen wir auch in Zeiten, in denen es weniger gut läuft“, betont
Jochen Rieger. „Damit wollen wir das Qualitätsniveau halten. Und wir
müssen uns spezialisieren, um uns von der Konkurrenz in Asien und den
vielen Billigimporten abzugrenzen“, ergänzt Ulrich Venhoff. Einen
Investitionsstau soll es gar nicht erst geben. Nachwuchsmangel auch
nicht. Daher wird kontinuierlich ausgebildet.
Webtradition seit 1885
Möglich macht die finanziellen Investitionen die Einbindung in die
Hoftex Group. Seit 1963 gehört der Vorläufer der Neutex zu dem
börsennotierten Firmenverbund, der sich mehrheitlich im Besitz der
Familie Stegerbefindet und inklusive der Bereiche Tenowo (Nonwovens) und
Hoftex (Yarns & Fabrics) zuletzt gut 185 Mio. EUR umgesetzt hat.
Die Wurzeln der Neutex reichen allerdings bis in das Jahr 1885
zurück. Damals baute Carl Seyffert an der Kulmbacher Straße eine
mechanische Weberei, produzierte zunächst karierte und gestreifte
Köperwaren sowie Hängematten. Eine Spezialität wurde später der
Kett-Druck. Wechselnde Besitzer bestimmten in der Folge die Geschicke
des Betriebes bis zum Verkauf an die Hoftex Group bzw. Textilgruppe Hof,
wie sie damals noch hieß.
Seit 2005 hat die Neutex selbst eine Tochtergesellschaft in Rumänien.
Dort sind rund 100 Mitarbeiter der Firma Textor mit der Musterfertigung
und der Konfektion beschäftigt. Letztere können auch Mitbewerber
nutzen, verrät Venhoff. Täglich verlassen im Schnitt 4.300 Schlaufen-
und Ösenschals, Fertig- und Schiebegardinen, Rollos und Kissen den
Standort in Richtung Münchberg, wo sie eingelagert werden und den Kunden
ebenso schnell zur Verfügung stehen wie die übrige Ware. Damit ist die
Neutex auch im Bereich Fertigkonfektion (Neutex Ready) zu einem der
großen Anbieter in Deutschland geworden.
Deutschland ist der wichtigste Markt
Der hiesige Markt ist der mit Abstand wichtigste für das Unternehmen.
Fast 80 % des Umsatzes von zuletzt rund 20 Mio. EUR wird hier erzielt.
Kunden sind Heimtextilien-Fachmärkte und -Großhändler, der Möbelhandel,
Fachhändler und Raumausstatter, aber auch Discounter, Versender und die
Industrie. Diese erhalten Stückware, 30 oder 60 m auf Papphülsen oder
doubliert. Beim Coupon bestehen Partnerschaften mit Großhändlern und
Verlagen.
„Obwohl wir praktisch überall vertreten sind, kennt man uns im Handel
häufig gar nicht“, stellt Ulrich Venhoff fest. Das gelte gleichermaßen
für Dekos und Fertigprodukte wie für Sonnenschutz (Neutex Sun), mit dem
die Münchberger alle maßgeblichen Konfektionäre beliefern. „In diesem
Segment haben wir außergewöhnlich hohe Steigerungsraten“, so Jochen
Rieger, der für 2015 insgesamt von einem Umsatz auf Vorjahresniveau
ausgeht.
Luft nach oben gibt es noch im Geschäft mit dem Ausland. Im Vergleich
zum Branchendurchschnitt ist die Exportquote der Neutex mit etwas mehr
als 20 % eher niedrig. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern, u.a.
durch die Beteiligung an den Branchenmessen Heimtextil Moskau, Evteks
Istanbul, Mood Brüssel und BBSA Coventry.
Insbesondere in den Benelux- Staaten und England sehen die beiden
Geschäftsführer Potential. In der Vergangenheit war Russland das
Exportland Nr. 1; die dortige Krise hat dem Unternehmen zugesetzt. Man
hofft auf eine baldige Normalisierung. Sehr gut laufen die Geschäfte in
Österreich, Polen und Tschechien; in den USA habe man zwei starke
Partner gewonnen. Neben zwei Mitarbeitern in Münchberg arbeitet
Exportleiter Joseph Wheeler ausschließlich mit Handelsvertretungen und
vertreibt auf diesem Wege vor allem Meterware. Fertigprodukte spielen im
Ausland fast keine Rolle.
Die Produkte sollen kombinierbar sein
Das Neutex-Sortiment reicht von jugendlichen und klassischen Designs
über Scherlis und Transparentgewebe bis zu objektgeeigneten Stoffen in
Trevira CS. Ein wichtiges Element sind dabei die
Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Artikel untereinander. Daher
werden einige Qualitäten sowohl als Meterware als auch im Sonnenschutz
angeboten.
Neben den trendigen Transparentgeweben hat man in Münchberg eine
gestiegene Nachfrage nach Buntgeweben im feinfädigen Bereich
festgestellt. Mit diesen Stoffen erfüllt sich der Wunsch nach einem
gemütlichwarmen Wohnambiente sowohl mit klassischen als auch mit
modernen Dekorationen. Die Jacquard-Buntgewebekollektion umfasst
puristische, graphische und verspielte Floral- und Ornamentdessins.
Matt-Glanz-Satins, feine Taftgewebe und edle Jacquards sind häufig
beidseitig dekorierbar und untereinander kombinierbar. Weiche, fließende
Gewebe mit Matt-Glanz-Effekten erhalten durch die Ausrüstungen edle
Optiken, einen guten Fall und einen angenehmen Griff. Modische
Farbpaletten ermöglichen einen großen Einsatzbereich der stückgefärbten
Produkte. Die Druckkollektion rundet das Sortiment ab. „Druckstoffe
sehen wir durchaus positiv“, meint Ulrich Venhoff, „denn zu diesen
Produkten weben wir gerne. So entstehen komplette Themen mit
Druckstoffen in Kombination mit blickdichten, transparenten oder
halbtransparenten Webartikeln.“
Problemlöser beim Doppelrollo
Seit vier Jahren werden in Münchberg auch Sonnenschutzprodukte gewebt – mit Spezialgarnen und Schmelzgarnkomponenten, die hier ausgerüstet werden. „Wir machen immer mehr Spezialitäten“, erläutert Venhoff, der die Neutex speziell bei Doppelrollos als Problemlöser sieht: „Wir haben dieses Produkt marktfähig gemacht, indem wir die enormen Abfallmengen durch Bogen- und Schrägverzug drastisch gesenkt haben. Und wir haben es textil gemacht – stofflich und dekorativ.“ Jochen Rieger sieht darin die eigentliche Kernkompetenz der Neutex: „Wir sind dekorative Weber und haben dekorative Elemente in den Sonnenschutz reingebracht. Jetzt sind wir in zahlreichen Plisseekatalogen namhafter Hersteller vertreten.“ Zur Heimtextil werden als Weiterentwicklungen Doppelrollos in Scherli-Musterung sowie Inbetweens vorgestellt, die nicht komplett schließen und Lichtspiele zulassen. Gezeigt werden diese Produkte auf einem separaten Stand (Halle 3.0, C33) für innenliegenden Sonnenschutz. Am Hauptstand (C30) schräg gegenüber finden Besucher das Programm an Meterware und Fertigprodukten. Hier gibt es außerdem Informationen zu den diversen Shop-Systemen, die als Unterstützung für den Handel angeboten werden.